+++ Sa., 22. Juli 2017, 18.00 Uhr +++ „Das neue Dorf" mit Prof. Ralf Otterpohl +++

Fragen an Sigrid Beckmann-Lamb

Was hat Sie zum Aufbau einer interdisziplinären und interkulturellen Bildungsstätte bewogen?

Antwort: Zum einen eine schwere Erkrankung vor vielen Jahren und zum zweiten der Tod des ersten Kindes. Beide Umstände bewogen mich, Medizin studieren zu wollen. Nur kann ich leider kein Blut sehen und habe begonnen, Ärzte und Naturwissenschaftler zu mir nach Hause einzuladen und auf diese Weise meine eigene Bildung und der Fortbildung meiner Freunde dienlich zu sein. Der Impuls zu einer interkulturellen Bildungsstätte erwuchs aufgrund der Tatsache meiner vielen internationalen Reisen. Ich hatte schon als junger Mensch das Glück, viel und weit reisen zu können. Dort kam ich zwangsläufig in Kontakt mit anderen Kulturen und Lebeweisen. Der Kontakt mit anderen Völkern zeigte mir, dass wir als Deutsche, als Weiße, als Christen keineswegs unbedingt die Krone der Schöpfung darstellen. Ich lernte sehr viel Weisheit, sehr viel Menschlichkeit und große Humanität bei anderen Völkern und Religionen kennen. Diese Begegnungen rangen mir Respekt ab und heute bin ich der Meinung, dass wir gar nicht früh genug Respekt vor Andersartigem entwickeln können. Nur wenn wir Respekt haben, können wir Anderes auch wertschätzen. Nur dann können wir jene Toleranz entwickeln, die wir zu einem konstruktiven und gewaltarmen Miteinander gebrauchen.

Sie haben im Laufe ihres Lebens nicht nur viele Länder der Erde bereist und herausragende Persönlichkeiten kennengelernt. Sie sind auch jetzt noch viel unterwegs. Was halten sie aufgrund Ihrer Erfahrungen derzeit für das Wichtigste?

Antwort: Diese Frage lässt sich sehr leicht beantworten: Wie alle Persönlichkeiten, die ich kennengelernt habe, halte ich den Erhalt bzw. die Schaffung des sozialen Friedens für das Allerwichtigste. Dafür ist umfassende Bildung eine wesentliche Voraussetzung. Bildung unterscheidet sich von bloßer Wissensvermittlung dadurch, dass sie Mitgefühl und Verantwortung für anderes Leben miteinbezieht. Deshalb haben wir uns zusätzlich zu unseren eigenen Aktivitäten mit dem rheinland-pfälzischem Konzept „Bildung von Anfang an" vertraut gemacht. Wir halten es für ganz ausgezeichnet und hoffen, dass es Schule machen wird.

Woher beziehen Sie die Kraft für Ihren lebenslangen Einsatz?

Antwort: Viele von Ihnen kennen die berühmte Rede Martin Luther Kings, in der er von der Bruderschaft der Menschheit spricht. Von seinem Traum, seinen Hoffnungen und der Macht der Seele. Walt Whitman, Ernesto Cardinal, Pablo Neruda und unzählige andere haben diesen Traum auch geträumt. Er ist auch der meine. Deshalb versuchen wir, ihn wenigstens im Kleinen, im persönlichen Leben anzustreben und zu verwirklichen. Was wir meines Erachtens mehr denn je benötigen, ist ein neuer globaler Humanismus. Nations- und religionsübergreifend, in welchem sich die Menschheit als eine gemeinsame Spezies erkennt. Als gemeinsame Bürgerschaft dieser Erde und nicht als getrennte Nationen im Kampf gegeneinander. Deshalb möchte ich Sie ermutigen, sich für das Leben einzusetzen, für die Gleichberechtigung aller Völker, für das Recht auf Unversehrtheit von Mensch und Tier. Denn die Erde ist für alle da und jedes Geschöpf ist ein Kind der Erde. Wagen wir es, den Traum einer geeinten Menschheit weiterzuträumen, die Vision eines würdigen Lebens für alle, dann wird diese Vision vielleicht eines Tages Wirklichkeit werden.

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