+++ Sa., 22. Juli 2017, 18.00 Uhr +++ „Das neue Dorf" mit Prof. Ralf Otterpohl +++

Der Glaube an die Macht der Liebe und die Kraft der PoesieErnesto Cardenal

ernesto cardenalVerbunden mit dem Dichterrevolutionär Ernesto Cardenal sind heute in aller Welt die: "Psalmen“, die Insel Soleiitiname... in seiner Heimat und der Kampf des nicaraguanischen Volkes gegen die Diktatur der Familie Somoza.

Auf mehr als 500 Seiten entfaltet der sprachgewaltige Dichter in den „Gesängen des Universums“ (Cantico Cosmico) die vielfältige Poesie Lateinamerikas, ein einzigartiges Gedicht, aus dem die Grundüberzeugung Cardenals spricht, der trotz aller Wirren der Geschichte an die Macht der Liebe und die Kraft der Poesie glaubt. Aus dieser tiefen Überzeugung schöpft der streitbare Dichter die Zuversicht für seinen engagierten Kampf für eine humanere Welt. 1980 wurde ihm der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.

Vielleicht ist man dem Ideal nie näher als in dem Augenblick, in dem man zu ihm aufbrechen will. Denn schon mit den ersten Schritten auf dem Weg, es in Realität zu verwandeln, verliert es unausweichlich seine ersehnte Reinheit.

Für Ernesto Cardenal, den Poeten, Priester und Politiker aus Nicaragua, ging es immer ums Ganze, um das Reine, um das Ideal. Man hat ihn deshalb einen "Lyriker zwischen Revolution und Mystik" genannt und damit wohl die treffendste Formel für diesen schillernden Mann geprägt. Denn in beidem, in dem Augenblick der Revolution, in dem alles Unrecht besiegt scheint, und in dem Augenblick mystischer Verschmelzung mit Gott, in dem alles Irdische zurückbleibt, fühlte er sich dem Ideal nahe.

Ernesto Cardenal stammt aus einer mehr als wohlhabenden Patrizierfamilie Nicaraguas. Er war Schüler eines Jesuitenkollegs, genoss eine exzellente Ausbildung, studierte Literaturwissenschaft, Theologie und Philosophie in Mexiko, New York und Kolumbien. Bereits in dieser Zeit stand er im Bann seiner drei Leidenschaften: der Dichtung, dem Christentum und der Politik.

Vom Elend in seiner Heimat erschüttert, schloss er sich der Opposition Nicaraguas an und entkam 1954 nur knapp einem Massaker der Truppen des Diktators Somoza. Er mußte das Land verlassen und verbrachte Jahre in einem Trappistenkloster in den Vereinigten Staaten und später in einer Benediktinerabtei in Mexiko. In jener Zeit wandelte er sich vom schwärmerischen Romantiker zu einem entschiedenen Vertreter der Befreiungstheologie.

In seinen "Salmos" ("Psalmen"), die ihm ersten internationalen Ruhm eintrugen und in 20 Sprachen übersetzt wurden, vermischte er munter Religion und Revolution. Er machte sich zum Ankläger von Unrecht und Gewalt in Lateinamerika und ließ erkennen, dass für ihn das Reich Gottes auf Erden identisch ist mit einer kommunistischen Gesellschaftsordnung.

1965 wurde er, in seine Heimat zurückgekehrt, zum Priester geweiht und gründete kurz darauf eine an urchristlichen Vorstellungen orientierte Kommune auf einer Insel im Großen See von Nicaragua. 1970 reiste er nach Kuba und beschrieb das Land Fidel Castros als ein "in Praxis umgesetztes Evangelium".

Cardenals politische Karriere begann 1977, als er sich der sandinistischen Befreiungsbewegung anschloss, für die er in aller Welt Sympathien und Geld einwarb. Nach dem Sturz des Somoza-Regimes, ließ er sich von den Sandinisten zum Kulturminister machen und setzte sich für eine "Revolution ohne Rache" ein. 1980 wurde er nicht zuletzt deshalb mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet - auch wenn ihn Kritiker damals den "nützlichen Idioten" des neuen Regimes nannten.

Legendär wurden seine Konflikte mit der katholischen Kirche. Als der Papst 1983 den Dom in Managua besuchte, erhob er die Faust und rief: "Viva la Revolución", keine zwei Jahre später suspendierte ihn der Vatikan von seinem Priesteramt. Doch als im Jahr 1990 die Sandinisten die Wahlen verloren, wurde es ruhiger um Cardenal. Was ihm mehr Zeit für seine Gedichte verschaffte. Er legte als sein opus magnum die "Cántico Cósmico" ("Gesänge des Universums") vor, die mit lyrischen Mitteln eine Art Weltformel entwerfen gemischt aus Liebeslyrik, Astrophysik und Kommunismus.


"Ich bin bereit, von mir zu andern zu gehen - hinaus in die Welt, um festzustellen,
ob die Hoffnung, die ich für mich selbst habe, auch für andere reicht.
Ich hoffe, bei ihnen zu finden, was ich auch bei mir gefunden.
Vielleicht unterscheiden wir uns weniger, als ich immer dachte.
Das Zuhause in mir ist ein Zuhause für die Welt.
Was ich für mich empfinde, werde ich ausstrahlen.
Es wird sich mit der Energie verbinden, die bereits in Strömen um mich fließt.
Die Welt liegt in meinen und deinen Händen.
Es ist nicht vermessen, zu glauben, dass wir etwas tun können
mit unserer Hoffnung."

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